Kreativer Weg

 

Viele einzelne Schritte und die richtigen Weggefährten führen an neue Orte – und auf den eigenen Weg. Stetig in Bewegung, hier und da ein Irrweg – gehen, immer weiter, wohin?

Rotenhahn, Februar 2015

Kreativität ist für mich die Luft zum Atmen

Auf die Anzeige „Einfamilienhaus in der Nähe von Hamburg“ hin zogen meine Eltern, meine Schwester und ich vor vielen Jahren nach Damsdorf. Mein Vater baute alle Möbel in unseren Kinderzimmern selbst und strich sie für uns in fröhlichem Rot-Gelb-Grün-Blau an. Mit den Kisten, die sich zu Regalen türmten, konnten wir wunderbare Höhlen bauen. Eine bunte Blumenwiese war unser Teppich, die Natur draußen unser Spielplatz. Tiere begleiteten mich von Anfang an auf meinem Weg. Ich hatte eine große Tiersammlung auf Fotografien und Postkarten. Die Kühe, die ich vor unserem Haus regelmäßig mit Blättern von den Bäumen fütterte und mein Kater Mikosch waren mir ganz nah. Die Kreativität und Phantasie, die vielen Farben, Stifte und Papiere, in denen ich schwelgen durfte, ließen mich in einem Gefühl großen Reichtums groß werden. „Damsdorf“ wurde für mich zum Inbegriff einer kreativen und freien Kindheit. Meine Eltern machten mir ein großes Geschenk, indem sie mir Freiraum für meine Kreativität ließen und mich in keine vorgegebene Form pressten. Wenn ich zum Beispiel ein wunderschönes Briefpapier geschenkt bekam und daraus sofort mein eigenes, individuelles bastelte, ließen sie mich machen und gestalten.  

Mit zwei – vier – sieben Jahren

 

Veränderung, Zerstörung und Neuschöpfung

Meine Sammlung an inspirierenden Bildern, Texten, Fotografien ist in stetigem Fluss. Früher klebte ich Bücher, heute besteht meine Sammlung aus digitalen Dateien. Manche Bilder und Textfragmente darin begleiten mich über Jahre. In der Auseinandersetzung damit lasse ich Unwichtiges los, nehme neue Themen und Gedanken auf, prüfe sie auf Dauerhaftigkeit und arbeite manche weiter aus. Veränderung verlangt auch mutige Zerstörung, damit eine neue Ordnung oder ein neuer Inhalt gefunden werden kann. | Seit 1988

Ich fand, was mir fehlte

Mein Vater starb unerwartet 1996. Durch diesen Einschnitt in meinem Leben fand ich zu neuer Kreativität. In den folgenden Jahren begann ich, im Atelier von Peter Paulwitz-Matthäi in Hamburg zu arbeiten, zunächst mit Acrylfarben und Kohle und ausschließlich auf Papier. Ich entdeckte das große Format für meine Bilder. Peter brachte mich auf die Idee, mir einen 30 cm breiten Pinsel zu fertigen, auf zwei Staffeleien gleichzeitig zu malen oder gleich an der Wand zu zeichnen. Seine Stillleben mit riesigen Installationen aus unterschiedlichsten Gegenständen waren eine Herausforderung. Es war eine echte Aufgabe, aus dem großen neuen Angebot auszuwählen, was ich darstellen wollte. Die Stillleben, Akte, Portraits und Figuren begleiteten meine harte Phase der Trauerarbeit. Für mich war es eine sehr prägende Zeit mit intensiven Erfahrungen. Sie ist fest in meinem Herzen verankert. Peter fasst diese Zeit heute so zusammen: „Du bist nicht stehen geblieben und nicht ausgewichen ­– Du bist durch das alles hindurchgegangen. Das hat mich anhaltend beeindruckt. Inzwischen begegnen wir uns als Kollegen.“ | Peter Paulwitz-Matthäi, Künstler, Hamburg | 1997-1999

Bei Peter Paulwitz-Matthäi im Atelier, Hamburg, 1998

 

Gemeinsame – oder auch verschiedene – Blickwinkel

In Ausstellungen entdecken die Künstlerin Jacqueline und ich immer wieder Neues, Vertrautes, Irritierendes. Sich mit Künstlern und Kunst, Inhalten und Techniken auseinander zu setzen, bereichert uns mit neuen Impulsen, um die eigene künstlerische Position klarer zu sehen. Regelmäßig besuchen wir gemeinsam Ausstellungen (meist in Hamburg) und tauschen uns darüber aus. | Jacqueline Janke, Hamburg, Künstlerin, Malerin, Autorin, Filmdokumentationen und Talkshows, Mit-Initiatorin der Locked-In-Syndrom Selbsthilfegruppe in Hamburg | Seit 1998

 

Die Bildermacherin

Während meines Studiums an der Bildkunst Akademie in Hamburg entstanden bei der Fotokünstlerin Carmen Oberst Selbstportraits von mir. Auf den Fotografien verschmelze ich durch Projektionen mit den Farben meiner Bilder. Eines dieser Portraits nutzte ich über viele Jahre als mein Erkennungszeichen als Bildermacherin. Ich entwickelte diesen Begriff „Bildermacherin“ für mich, weil ich die gängige Bezeichnung ‚Künstlerin‘ als unstimmig für mich empfand. 2010 stellte ich meine Arbeiten in den Vordergrund, seitdem nutze ich das aktuelle grau-weiße Logo als Erkennungszeichen für die Bildermacherin Nine Winderlich. | Seit 2001

Ausstellung im ehemaligen Gasthof meiner Eltern in Damsdorf, 2002

Zunächst private Öffentlichkeit

Mein erstes Bild kaufte meine Freundin Sabine. Sie organisierte aus Überzeugung für mich eine private, sehr schöne Ausstellung meiner Arbeiten im Raum Flensburg. Im selben Jahr entdeckte meine Künstlerfreundin Helge in meinem Atelier ein großes Auftragsbild und meinte, dass die Presse darüber berichten müsse. Sie rief kurzerhand bei der Segeberger Zeitung an und machte einen Termin – ich hätte mich das damals nicht getraut. Der vierspaltige Artikel mit einem großen Foto war der erste für viele weitere, die folgten. Im privaten Rahmen auszustellen gefiel mir von Anfang an und so zeigte ich meine neuen Arbeiten 2002 in dem ehemaligen Gasthof in Damsdorf, dem Kreativ- und Lebensraum meiner Eltern. Im Jahr darauf stellte ich Arbeiten in den Wohn- und Büroräumen meiner Schwester und ihres Mannes in Rotenhahn aus. Die Sonne schien, viele Freunde und Bekannte kamen zum Schauen, die Kinder planschten draußen im kleinen aufgestellten Pool. Ab 2004 konnte ich meine Arbeiten in meinem eigenen Atelier in Rotenhahn zeigen. Im Jahr darauf folgten dann die ersten öffentlichen Ausstellungen und die Präsentation meiner Arbeiten im Internet. | Sabine Richter, Designerin, Hamburg | Helge Ingrid Hencke, Künstlerin, Wahlstedt | Jo Maja Turkiewicz, Schwester, Rotenhahn | Seit 2001

Verborgenes wecken – Vertrautes entdecken

Obwohl ich sehr gerne Zuhause lebe und arbeite, zieht es mich immer wieder in die Ferne. Es ist herrlich, in andere Welten einzutauchen: die Farben und Gerüche, die Luft, die Bäume, die Natur, die Stadt, die Menschen – und natürlich die Tiere vor Ort. Die Gedanken wandeln auf neuen Wegen, entdecken Gemeinsamkeiten, irritieren, bringen zutage, was sonst verschüttet bliebe. Manches geht nur im Vertrauten, manches geht nur im Unentdeckten. Reisen regional, national, international: für mich Inspiration pur.

Mal-Koch-Seminar in Rotenhahn, 2005

Stillleben kann man Malen – oder Kochen!

Während einer Ausstellung meiner Bilder in Hamburg sprach mich Marianne an. Inspiriert von den Stillleben der Alten Meister, suchte sie eine Künstlerin für Seminare, in denen sie Malen und Kochen miteinander verbinden könnte. Am Ende desselben Jahres fand unser erstes Mal-Koch-Seminar statt. Das Thema lautete „Sinnliches Orange“. Das vorbereitete Stillleben zeigte feinste Farbschattierungen auf den Karotten, Orangen und Paprika, dem Kürbis und Brot, den Blüten, Stoffen und zugefügten Accessoires. Das Menü: gelbe Paprika-Suppe, Hähnchen in Weinsauce mit braunen Champignons und Joghurt-Mandarinen-Mousse mit Bitter-Orangen-Sauce. Es war eine neue Erfahrung für mich, andere bei der Entwicklung ihrer Bilder zu unterstützen. Rund um uns herum duftete das Werk der Köche frisch, deftig, verzaubernd. Gemeinsam genossen wir am Ende die Bilder und verspeisten die köstlichen Gerichte (am liebsten im Garten). Die Seminare fanden bei Marianne in Hamburg und bei mir in Rotenhahn statt. | Marianne Herdt, Hamburg, exzellente Köchin | 2005 – 2012

Bilder unterwegs: 600.000 km mit der Bahn

Bilder verschiedener Stilrichtungen von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus Hamburg und Schleswig-Holstein begleiteten die Reisenden auf der Strecke Bad Oldesloe – Bad Segeberg – Neumünster. So zeigte die „nordbahn-Galerie“ in den Zügen der nordbahn über vier Wochen auch vierzehn meiner Bilder als fest installierte Ausstellung in den hin und her pendelnden Zügen. Dabei bereicherten die Arbeiten über eine Million Bahnfahrer und legten insgesamt 600.000 Kilometer zurück. Mit mir beteiligten sich die Künstler Raimund Samson, Michael Ermel, Jacqueline Janke und Helge Hencke an diesem, auch von der Presse viel beachteten Ausstellungsprojekt. Zum Abschluss wurden in der nordbahn-Galerie die insgesamt 84 Bilder-Drucke aller beteiligten Künstler gezeigt. Es folgten gemeinsame Ausstellungen der Originalbilder in der Sparkasse Südholstein in Neumünster und in der Galerie Rubin in Hamburg. Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit mit Raimund Samson, Vorsitzender des Förderkreises des Wilhelmsburger Kunstbüros in Hamburg. | 2006

 

Aktiv in der Segeberger Kunstszene

Anfangs stellte ich als Gastkünstlerin bei der Jahresschau der Ausstellungsgemeinschaft Segeberger Künstler AUGE mit aus. Im Jahr darauf wurde ich AUGE-Mitglied. Die Gemeinschaft besteht seit 1991 und stellt seitdem regelmäßig zusammen aus. In den Jahresschauen in Bad Segeberg zeigen wir Mitglieder und unsere Gäste Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Objekt, Installation, Fotografie, Video. Wir sind Teil der Segeberger Kunstszene und offen für überregionale Gastaussteller, junge Kollegen in unserem Kreis und neue, bereichernde Kunstströmungen. Die Vernissagen unserer Schau sind sehr gut besucht und wir werden von der Presse mit ausführlichen Artikeln unterstützt. Mitglied sind aktuell Wladimir Bekker, Rainer Deutschmann, Thai Lüdi, Konrad Schüler, Nine Winderlich. | Seit 2006

 

‚Junge Wilde‘ und ‚Malerfürst‘

So wie man als Jugendlicher seine Lieblingsband gerne persönlich treffen würde, so ist es als Künstler spannend, bestimmten Künstler-Persönlichkeiten zu begegnen. Ich lernte 2007 Elvira Bach und 2008 Markus Lüpertz in der Kunstakademie Bad Reichenhall kennen ­– unter besonderen Umständen! Morgens vor Reisebeginn zu dem Seminar Elvira Bachs konnte ich meinen rechten Arm plötzlich nicht mehr bewegen und hatte starke Schmerzen. Da ich aber auf jeden Fall an dem Seminar teilnehmen wollte, malte ich kurzerhand mit der linken Hand. Erstaunlicherweise sah man meinen Bildern keinen Unterschied an. Im Folgejahr arbeitete ich bei Markus Lüpertz. Es war aufregend, ihn kennen zu lernen und mit ihm über meine Arbeiten zu sprechen. Meine erste Serie mit Kasein-Tempera auf Jute-Leinwänden floss daraufhin nur so aus mir heraus. Am letzten Seminar-Abend gab Markus Lüpertz jedem Teilnehmer ein Zertifikat und sagte etwas Persönliches. Mir beschied er: „großartige Bilder“ … „bei gleichbleibender Qualität“. | 2007, 2008

 

Keilrahmen, mit Jute bezogen, Pigmente

 

Jute auf Keilrahmen – meine Malgründe

In der ‚Kunstgut – Schule für Gegenwartskunst‘ bei Frank Pieperhoff in Berlin lernte ich, wie ich meine Leinwände selbst herstellen kann: einen Keilrahmen zusammenbauen, Stoff aufziehen, Grundierungen aus Hautleim und Gesso auftragen. (Wenn ich auf diese Weise mehrere Leinwände gleichzeitig vorbereite, ist mein Atelier oftmals für einige Tage komplett belegt, und in der Sonne glitzert der Hautleim wie ein Sternenhimmel am helllichten Tag.) Die Grundierung schließt durch mehrere Schichtungen die vielen kleinen Jutelöcher und lässt die Oberflächen rau zurück. An den Rändern des Rahmens bleibt die unbehandelte Jute sichtbar. Die Signierung und Details zum Bild platziere ich auf der Rückseite meiner Bilder. | Seit 2007

Kasein-Tempera – meine Farbe

Nach der jahrelangen Verwendung von Acrylfarben kam die Mal-Krise ­– es musste doch sinnlichere Farben für mich geben? Ein befreundeter Künstler, Walther Kahl aus Hamburg, befreite mich aus meiner Suche. Er teilte mit mir seine selbst entwickelte Kasein-Tempera-Rezeptur, die ich bis heute mit Freude verwende und selbst herstelle. Die Basis ist um weitere Komponenten angereicherter Magerquark, der mir das Malen auf flexiblen Leinwänden ermöglicht. Dies wäre mit einer klassischen Kasein-Tempera nicht möglich ­– die Farbe würde vom Malgrund abplatzen. Im Malprozess vermische ich das Malmittel mit Farbpigmenten und trage die Farbe direkt auf die Leinwand auf. Sie duftet wie eine frische Frühlingsbrise. | Walther Kahl, Künstler (1947 – 2009) | Seit 2008

Sortieren: Gedanken, Themen, Bilder

Über die Jahre entstanden in meinem Atelier etliche Serien, u.a. „Landeier“, „LuftSchlösser“, „ZwischenWelt“ und „MenschSein“. Dabei wurde ich innerlich immer unruhiger: Jedes Mal, wenn ich an der einen Serie arbeitete, blieben (logischerweise) die anderen liegen. Das fing an, mich zu stören, und ich fand einen Weg, mich mit Hilfe meiner Freundin Elke neu auszurichten. Gemeinsam betrachteten wir meinen bisherigen künstlerischen Weg und die entstandenen Bilder der letzten Jahre. Wir diskutierten und überlegten intensiv, wie meine künstlerische Ausrichtung für die Zukunft aussehen könnte. Was war wichtig, was war unwichtig? Dabei entwickelten wir das übergeordnete Thema ‚Mensch und Tier‘, das mir genügend Freiraum lässt, dessen Inhalte vielfältig – und zugleich wesentlich in meinem Leben sind. | Elke Pietzsch, Hamburg, Strategische Beraterin | Seit 2008

Ein weißes Blatt Papier

Für mein Fortkommen besuchte ich immer wieder Seminare. Oft fand ich dabei aber mit dem Dozenten erst zum Ende der Zeit zu einem fruchtbaren Austausch über meine Kunst und Ziele. Darum machte ich mich auf die Suche nach einem auch auf lange Sicht künstlerischen und professionellen Gesprächspartner zu meinen Arbeiten und Themen. Ich fand ihn in Jörk. Auch für die neuen Entwicklungen – meine selbst-hergestellten Jute-Malgründe, die besondere Kasein-Tempera und meine neue inhaltliche Ausrichtung ,Mensch und Tier‘ – fand ich bei ihm einen geeigneten neuen Raum. In unserem ersten Gespräch riet Jörk mir, mich auf ein Thema zu konzentrieren, um mehr Tiefe zu erreichen. Nach einiger Zeit entwickelte sich daraus das Thema ,HornTräger‘. Über vier Jahre lang habe ich das Thema bearbeitet und malerisch, zeichnerisch und in Objekten umgesetzt. Anschließend begann ich eine neue Serie. An meinem Atelierplatz versenke ich mich seitdem ohne Ablenkung regelmäßig in mein Tun. Jörk schätze ich als Künstler, seine Gabe, mich in meinen Arbeiten zu unterstützen und die Dinge auf den Punkt zu bringen. | Jörk Kalkreuter, Hamburg, Künstler | Seit 2008

 

Künstlerreise mit Ute Elisabeth Herwig, Oderbruchtal 2014

 

Wenn Künstler reisen

Eines Tages rief mich eine Künstlerkollegin an und fragte mich, ob ich sie zu einem Symposium nach Schottland begleiten möchte, zu dem sie eingeladen war. Meine Antwort lautete „Ja“. Darauf unternahmen wir beide eine erste gemeinsame Reise, dann eine weitere und noch eine und … Seitdem genießen wir einen spannenden, kreativen Austausch, besuchen Künstler und lernen ihre Arbeiten kennen, diskutieren über Kunst, sehen uns Ausstellungen an und sind oft auch gemeinsam kreativ und produktiv. Wo wir auch hinfahren, hält die inzwischen zur Freundin gewordene Künstlerin mit einer Engelsgeduld das Auto an und wartet, bis ich mit der Kamera weitere Tiere eingefangen habe – auch wenn es in Strömen regnet, wie damals in Schottland, wo ich dringend noch ein paar Schafe mit Hörnern (und noch mehr) fotografieren musste. Oder in Kanada, wo sie uns im Auto extra über waghalsige Bergpässe nach Tofino und über unzählige Kilometer nach Campbell River bewegte, damit ich Braun- und Schwarzbären beobachten konnte. Oder im Oderbruchtal, wo sie fast an jeder Kranichwiese den Bus am Straßenrand anhielt, um auch den letzten Kranich noch vor die Linse zu bekommen – und der Beispiele gäbe es viele mehr! | Ute Elisabeth Herwig, Künstlerin, Künstlerdorf Barnitz 

 

… sind viele Orte inspirierend  

2008 | Schottland, Isle of Sky, Symposium des PVAF in Perth, Ausstellung in Birnam
2010 | Schottland, Edinburgh
2011 | Dänemark, Bornholm, Druckwerkstatt und Ausstellung
2012 | Kanada, Vancouver Island
2013 | Deutschland, Künstlerdörfer Worpswede – Fischerhude – Schöppingen, Bremen, Münster, Oberhausen, Essen Zollverein, Düsseldorf, Museumsinsel Hombroich in Neuss
2014 | Oderbruchtal, 70 km östlich von Berlin, an der polnischen Grenze
2015 | Europäische Kunstakademie Trier
2016 | Ottersberg bei Bremen

Mein Schritt ins Paradies

Manchmal ist es lehrreich, wenn man bekommt, was man sich wünscht. Jahrelang wünschte ich mir, meine Arbeiten eines Tages in New York ausstellen zu können. Es wurde nicht New York, aber Beijing in China ­– ebenso unglaublich für mich. Neben unzähligen inspirierenden Kunstorten, Ausstellungen, Ateliers und Künstlern, die ich dort sah und kennenlernte – hat mich die Weite wieder nach Hause gebracht. Viele behaupten, das Glück läge nicht in der Ferne und doch fand ich es dort. Unter anderem konnte ich mich von meinen großen Ausstellungs-Wünschen befreien und dem darin liegenden Druck. Mein Blick geht seitdem in eine andere, für mich passendere Richtung: „Kunst machen und meine Themen bearbeiten“. Jeder hat sein eigenes Paradies, und Klarheit bringt Freiheit! Ein herzliches Danke der Kunstakademie Bad Reichenhall für das Stipendium bei Thomas Lange (durch ihn hat die Zeichnung wieder einen Platz in meiner Arbeit gefunden), Danke an Nicole – sowie an Michael für die Insider-Einblicke in die Kunstszene, spannende Ausstellungen in Regensburg, Schloss Mochental und China und eine einmalige, persönliche Führung durch Beijing. Bei unserem letzten Treffen 2015 in Berlin betitelte Michael das Bild ‚WolkenReiter‘ der Serie FreiFlügler als museumsreif, das hat mich sehr gefreut. | Michael Schultz, Galerist, Berlin, Seoul, Beijing | Seit 2008

 

Versmold, 2011

 

  Mit den FreiFlüglern kam die Freiheit

Selten wird aus einer flüchtigen Begegnung eine Freundschaft, die über Entfernung und Jahre hält. Wir stecken in unseren Alltagen und bald hört man nichts mehr voneinander. Anne und mich verbindet ein regelmäßig-unregelmäßiger Austausch. Wenn wir voneinander hören oder uns schreiben, sind wir uns so nah, als ob wir uns gestern gesprochen hätten. 2011 besuchte ich sie. Meine damalige Serie „HornTräger“ lief bereits drei Jahre und wir unternahmen eine Radtour durch das nahegelegene Naturschutzgebiet. Wir genossen den weiten Blick über die saftigen, grünen Felder, Vögel flatterten beschwingt und fröhlich durch die Lüfte am blauen Himmel. Da spürte ich, dass in mir etwas Neues ans Licht drängte. Am nächsten Tag besuchten wir einen Künstler, dessen gesamtes, großes Haus bis in den letzten Winkel ausgefüllt war mit seiner Kunst. Die Überfülle machte mich nachdenklich. Ich erkannte, dass Loslassen frei macht für neue Arbeiten. Weniger ist mehr. So haben die FreiFlügler auch mir als Künstlerin viel Freiheit gebracht. | Anne Kämper, Künstlerin, Versmold | Seit 2000

 

Wenn das Grün belebt und Regentropfen inspirieren

Die Natur ist ein wesentlicher Teil meines Lebens. Meine Freundin Ute sagte einmal zu mir, als es mir in einer Stadt nicht so gut ging: „Lass uns ins Grüne gehen, dann geht es dir gleich wieder besser.“ Das hat funktioniert. Bei Werner lernte ich das Arbeiten in der Natur und mit Naturmaterialien kennen. Zwei Jahre später meldete ich mich zu seiner eineinhalbjährigen Weiterbildung an. Wir bildeten eine Gruppe von zehn Frauen und Männern aus unterschiedlichen Berufen. Dadurch brachte jeder einen anderen Zugang zur Arbeit und in der Natur mit. Sechs Wochenenden trafen wir uns in der Mitte Deutschlands, eine Woche auf der Westfriesischen Insel Schiermonnikoog und eine Woche im Schnee im Bayrischen Wald. Diese Zeit hat mir die Natur auf eine neue Art nahe gebracht. Sie ist voller Reichtümer, die uns umgeben und bietet mir ein tolles ‚NaturAtelier‘, einen zauberhaften Raum für meine Projekte in der Natur. | Werner Henkel, NaturArte, Bremen | Seit 2011

   

Gersfeld, 2014

Das Werden mit anderen teilen

Mich fasziniert die Atmosphäre von Ateliers. Da fühle ich mich den Künstlerkollegen nah und erhasche einen Blick auf ihr derzeitiges, künstlerisches Schaffen. Auch zeigt sich ihre Persönlichkeit stärker im Atelier als in der Wohnung, da das Atelier oftmals als Gehirn, als Schaltzentrale des Künstlers fungiert. Meistens arbeiten wir alleine in unseren Ateliers und gehen erst mit den fertigen Arbeiten hinaus in die Öffentlichkeit. Als ich erste Landart-Arbeiten in der Natur draußen entwickelte, begeisterte mich die Idee, nicht wie gewohnt in einer Atelier-Ausstellung die fertigen Ergebnisse zu präsentieren, sondern den Werdegang meiner Projekte zu erzählen. So besorgte ich mir einen Beamer und lud zu thematischen Atelier-Abenden ein: „Making of FreiFlügler“ und „Weiterbildung Kunst und Natur”, „Fahrt ins Blaue – Künstlerreise mit Ute Elisabeth Herwig“ sowie „Der Künstler und die Suche nach seinem Thema – mit Elke Pietzsch“. Die Abende haben mir riesigen Spaß gemacht, vor allem auch die sich anschließenden, anregenden Gespräche. | 2013

Eine kleine Übersicht mit großer Wirkung

Wenn die Künstlerin Ute Elisabeth Herwig und ich auf unseren jährlichen Künstlerreisen unterwegs waren, wussten wir die ausliegenden Folder zu in der Region ansässigen Künstlern immer wieder sehr zu schätzen. So wurden wir überhaupt oft erst aufmerksam auf die Künstlerkollegen vor Ort, die wir dann häufig auch besuchen konnten. Da eine solche Übersicht der Künstler in Bad Segeberg bzw. im Kreis Segeberg fehlte, fragte ich die Künstler, die ich kannte, ob sie sich an einem solchen Folder beteiligen wollten. Mit einfachen Mitteln erstellte ich eine schwarz-weiß gehaltene Übersicht mit Adressen und Kurzinformationen, die sich die Kollegen selbst ausdrucken und bei Veranstaltungen auslegen können. Kurz nach Erscheinen der Übersicht entstand bei den Künstlerinnen und Künstlern die Idee, dass wir uns auch einmal persönlich treffen könnten. Die vierteljährlichen Treffen in wechselnden Künstlerateliers oder Wohnhäusern zum Austauschen und Kennenlernen erweisen sich seitdem als sehr bereichernd und inspirierend. Es ist mir ein Anliegen, dass Künstler in der Region sichtbar und ansprechbar sind. | Seit 2012

Zum Schluss kommt das Beste

Rotenhahn, 2015

 

Mein Mann

Er unterstützt mich in meiner Kunst. Er spricht mir Mut zu, wenn es mal hakt und er freut sich mit mir, wenn es gut läuft. Unsere Freiräume und unsere Nähe bereichern sich gegenseitig. Wir genießen zusammen unser Zuhause mit den beiden Katzen, verreisen gerne, teilen miteinander die Liebe zur Natur und das Beobachten der Tiere um uns herum. Es ist eine große Freude und Glück, dass wir uns haben.

Familie

Meine Mutter Annemarie Winderlich und meine Schwester Jo Maja Turkiewicz begleiten mich am längsten von allen auf meinem Weg der Künstlerin. Sie kennen die Höhen und Tiefen meiner Kreativität, ganz zu schweigen von meinem Veränderungs- und Gestaltungsdrang seitdem ich laufen kann. Sie unterstützen mich beim Vor- und Nachdenken. Meine Schwester und ich sind sehr unterschiedlich und das empfinde ich als eine große Bereicherung. Über die Jahre haben wir diverse Diskussionen über meine Kunst geführt. Geduldig hat Jo zudem immer wieder Texte für mich verbessert und Inhalte geschickt auf den Punkt gebracht.

Freunde

„Zusammen genießen“ und „Freude teilen“ empfinde ich als ein großes Geschenk: die Besuche meiner Ausstellungen, das Unterstützen, die Gespräche und das Interesse an meiner Kunst. Die schönsten Ausstellungen sind für mich die, bei denen Freunde und Familie dabei sind. Einzelausstellungen sind für mich besonders aufregend – darum sind Freunde vor Ort, die das Erlebnis mit mir teilen, eine große Beruhigung für mich. Außerdem freut es mich, dass viele von meinen Freunden Bilder von mir nicht nur schätzen sondern auch besitzen. Ich betrachte es als Kompliment, dass sie mit meiner Kunst ihren Alltag leben. Wenn ich sie dann besuche, fühlt es sich an, als ob ich Freunde im Doppelpack besuche – die Menschen und die Bilder.

 

„Das Leben darf nicht ausreichen für die Kunst. Da muss immer etwas da sein, was man noch machen möchte.“

Walther Kahl, Künstler (1947 – 2009) | frei nacherzählt